* Calw 27 * Apr 84 <(erh. 12. Mai)>* Liebe Kinder [Hermann] Weißst Du noch Großm Enßlins Geburtstag a 46 fiel da das böse Emma aus dem omnibus coup‚ auf dem Weg nach Eßl. und wunderte sich ob man sie auf der Chaussee werde liegen lassen. Wenn Du es nicht mehr weißst, kann ich doch berichten, daß man sie aufgehoben hat. - Skeletons of the family <(von mir über Bofgrs)>* (oder in the cupboard) gibts natürlich auch bei uns. Als die Emilys Kinder hier waren, hätte ich fast einmal gefragt, ob Annas Kinder noch immer nichts von der Mutter Tod wissen. Dann fiel mir aber ein, daß sie selbst darüber in Unwissenheit gelassen sein können, und schwieg. Jetzt wird Anna confirmirt und scheint langsam sich geistig zu entwickeln. Gestern kam Dein lieber Brief vom 8, der vom schoolpicnic Erwähnung that. So habt ihrs auch wie wir um diese Zeit, da ich Agnes die Dolicho aphalica auch Hasenverschluckica heiße; denn ihre Süßigkeiten verschwinden schnell. 28. Vor 8 Tagen erwartete man die Mary Dobbie Nichte der Frau Jamieson <(We)>* und Tochter eines Lumpen <(Bruders des ... Jamieson>*, der mit eines andern Frau davon gelaufen. Es war aber eine schlecht geordnete Reise: die bonne, welche das Kind in einem Tag bringen sollte, brauchte 2 dazu und kam dazu erst 11 Uhr Nachts da alles im Bett lag. Dann schickt die Fr. Jamieson blos 2 pr Strümpfe und alles in ähnlichem Maßstab, wahrscheinlich soll Elis. sehen wo sie Kleider herkriegt für das Kind. Die Fr J hat kein Kind gehabt und hat auch diesem gegenüber kein Mutterherz gezeigt, sagt selbst, sie wisse Kinder nicht zu behandeln. Fast gar fügte ich hinzu, sie scheine Gotteskinder behandeln zu können, d. h. sie misbrauchen um auf sie abzuladen. Aber ich kenne sie ja nicht. Nur sieht man immer wieder daß es Engldr gibt, denen auch schmutzige Motive nicht fern liegen. Die Mary hat was feines, zartes, aber auch Eigensinn genug; sie schmiegt sich ordentlich an Elis. an, denn die bonne oder wer hatte sie zuletzt so schlecht behandelt daß keine Idee von Heimweh auftaucht. Heute <(28. Apr)>* probirte ich etwas, d. h. besuchte Emil Zahn, dessen Frau Helene im Jan selig gestorben ist. Es scheint ein kurioses Haus, diese Zahn Brüder. Der älteste Eduard ist Fabrikt in Hirs, kam 1862 zu mir mit einem Cammerer, bapt Missionar, der den Ed als seinen Schüler behandelte. Seither hat er aber umgesattelt, ist Swedenborgianer geworden und predigt je und je der neuen Kirche in Stuttg. Sein Sohn Heinr. der bei Marie engl. lernte, war bei einem andern Onkel in Kalamata (Griechld) und lernte dort eine Griechin Eurydike kennen (hier "Eure Dicke" genannt), brachte sie auch als Frau nach Hirs. Diese ist und bleibt griechisch, das ewige Licht brennt beständig im Kämmerlein etc. Ein weiterer Br. Leopold ist th. cand in unsers Bergs promot, fromm aber verrückt, kann nicht angestellt werden, hält sich für einen Göthe Schiller und was nicht alles auf biblischem Boden, schreibt Bücher, reist nach Texas etc., jetzt nach Africa. Der zweit oder drittälteste ist unser Emil, jetzt Witwer, Tuchfabrikt (Wagner und Co) des sel. Seegers Schwiegersohn und Nachfolger. Kaum war seine Frau todt, so schien er ernster werden zu wollen, gab das Abdswirthausbesuchen ziemlich auf und wurde von seinem Br. Eduard durch swedenborgiana getröstet. Jetzt ist er überzeugt, daß Sw das rechte hat. Eure Dicke hat nun ein Kind geboren, das heute als _____________ getauft werden soll, wie es scheint von einem schweizerischen Neukirchler. Emil soll Pathe werden; er hat gestern der alten Frau Seeger erklärt, daß er jetzt dorthin gehöre. Ich wurde gefragt, was machen? Nichts als beten. Doch kam mirs in der Nacht, ich könnte ja etwas Warnung versuchen, ging also früh hinab. Konnte ihn aber nicht dazubringen, die Sache doch erst mit Berg oder Braun zu besprechen, er weiß alles gewiß. Will übrigens aus der Kirche nicht austreten. Seine 4 Mädchen und der Sohn Dr med Zahn, der gute Georg, haben nun allerhd Aufgaben vor sich. So gibts allerhand Wege, relig zu finden, wenn man den einfachen Apostelpfad nicht einschlagen mag. Nun lebet wohl Es küßt Euer V.